Trennkost - was ist darunter zu verstehen?
Trennkost ist keine Wissenschaft, sondern lediglich eine Form der Ernährung, bei welcher eine Mahlzeit nicht gleichzeitig aus eiweißhaltigen und kohlehydrathaltigen Lebensmitteln besteht. Entwickelt wurde die Trennkost ursprünglich von William Howard Hay. Trennkost ist also eine Diätform, welche zur Gewichtsreduktion beitragen soll. Trennkost ist jedoch nicht nur ein in fast aller Munde gängiger Begriff, denn es existiert sogar eigens eine “Trennkostlehre”. Diese legt fest, dass, bis auf wenige Ausnahmen, generell nahezu alles, was der Ernährung dient, verzehrt werden darf. Zu den Ausnahmen zählen beispielsweise Hülsenfrüchte. Entgegen der Methoden der meisten anderen Diätformen erfolgt bei der Trennkost kein Zählen und Wiegen von Kalorien oder Mengen. Bekannt machte in erster Linie der Arzt Heinrich Ludwig Walb die Trennkost in Deutschland, deren Theorien jedoch medizinisch inzwischen widerlegt und teilweise sogar umstritten sind.
Ursprünglich entwickelte der New Yorker Arzt William Howard Hay im Jahr 1907 die Trennkost, sie ist also - entgegen wohl weitläufiger Meinungen - kein Trend der Neuzeit. Hay vertrat die Auffassung, dass eine Übersäuerung des Körpers die Hauptursache aller Zivilisationskrankheiten sei. Nach Hay entsteht die Azidose, die Übersäuerung des Körpers, überwiegend durch ein gleichzeitiges Verspeisen von Kohlenhydraten und Eiweiß. Zudem stellte Hay die Behauptung auf, dass der Mensch nicht beide Nährstoffe gleichzeitig im Stande wäre zu verdauen, und Gärungsprozesse im Dünndarm seien die Folge. Hay hielt Hülsenfrüchte als Lebensmittel ungeeignet, da diese sowohl Kohlenhydrate als auch Eiweiß enthalten. Widersprüchlich, aber Tatsache: denn obwohl dieses auch auf eine Menge anderer Nahrungsmittel zutrifft, sind diese im Zuge der Trennkost dennoch zugelassen.
Wozu ist Trennkost gut?
Die nach Howard Hay entwickelte Trennkost soll der Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts im menschlichen Organismus beitragen, denn für Hay lagen die Ursachen einer Übersäuerung bei falscher Ernährung. Seiner Lehre zufolge bilden 80 Prozent so genannter Basenbildner, wie beispielsweise Vollkorngetreide, Gemüse, Mandeln und Obst und lediglich 20 Prozent Säurebildner wie zum Beispiel Zucker, Fleisch, Fisch und Milchprodukte, die gesamte Ernährung. Zudem kann eine Kombination beider Gruppen unter Hinzufügung neutraler Lebensmittel wie kaltgepresste Öle oder auch Butter erfolgen. Empfohlen wird außerdem, zwischen den Mahlzeiten jeweils drei bis vier Stunden zu pausieren.
Für wenn ist Trennkost sinnvoll?
Howard Hay selbst litt an einer Schrumpfniere und Übergewicht, als er seine Trennkost als Diätform entwickelte. Seine Krankheit konnte er dank seiner Trennkost überwinden und zudem trug diese zu einer Senkung seines Harnsäurespiegels bei. Hay bezog seine in der Trennkostlehre enthaltenen Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung allerdings auf alle Menschen, also sowohl auf Gesunde als auch auf Kranke und war davon überzeugt, dass Trennkost zur Heilung zahlreicher Zivilisationskrankheiten beitragen könne.
Die heutigen Befürworter der Trennkost vertreten die Meinung, dass diese Diätform zu einer Verbesserung der Gesundheit beitragen kann und berichten zudem von einer durchaus möglichen Reduzierung des Körpergewichtes und der Linderung beziehungsweise dem gänzlichen Verschwinden von lästigen Magen-/Darmproblemen. Die Wissenschaft vertritt die Ansicht, dass diese durchaus belegten Phänomene lediglich auf eine Umstellung der Ernährung, insbesondere auf vegetarische Kost, zurückzuführen ist.
Wie wird Trennkost durchgeführt?
Die Trennkost nach Hay empfiehlt, Eiweiß mittags und Kohlenhydrate hingegen morgens und abends zu sich zu nehmen.
Die Trennkost gliedert sich in drei Gruppen:
1. Neutrale Lebensmittel
Hierzu zählen unter anderem Salate, Gemüse, Fette, Avocados, Melonen, Heidelbeeren, Pilze und Erdnüsse sowie Milchprodukte mit einem Mindestgehalt von 60% Fett.
2. Eiweißgruppe
Die Eiweißgruppe besteht aus Fisch (hierzu zählen auch Meeresfrüchte), Fleisch, Frischkäse, Käse, Eier, Nüsse, Früchte und Milchprodukte, deren Fettanteil unter 50 Prozent liegt.
3. Kohlenhydratgruppe
Diese setzt sich zusammen unter anderem aus Kartoffeln, Nudeln, Bananen, Reis, Süßungsmitteln wie brauner Zucker, Ahornsirup, Honig und Zucker) sowie Kuchen und Brot aller Art wie beispielsweise Knäckebrot, Roggenbrot, Pumpernickel und so weiter.
Die Mahlzeiten werden mittels spezieller Tabellen zusammengestellt. Wer sich diese Trennungsregeln zu Herzen nimmt, dem wird sehr schnell bewusst, dass die üblichen Dickmacher wie Fastfood & Co. wegfallen, da es sich hierbei um Kombinationen aus Eiweiß und Kohlenhydraten handelt. Die Trennkost legt den Schwerpunkt vorwiegend auf vegetarische Produkte bei einem relativ niedrigen aufgenommenen Fettanteil, was jedoch von der tatsächlichen Umsetzung des Speiseplans bei Trennkost abhängt. Zudem sollte beachtet werden, dass in vielen Lebensmitteln sowohl Kohlenhydrate als auch Eiweiß enthalten sind, was beispielsweise auf Getreide, Kartoffeln oder Nüsse zutrifft und eigentlich den Grundsätzen nach Hay widerspricht. Folglich werden bei der Trennkost die Lebensmittel lediglich in Gruppen eingeteilt, und zwar basierend auf einer relativen Gewichtung und nicht dergestalt, dass die Kohlenhydratgruppe ausschließlich aus kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln besteht.
Eine Trennkostliste, wie sie unter dem Link empfohlen wird, kann dabei die Auswahl der richtigen Lebensmittel erleichtern.
Trennkost - kritisch betrachtet
Nun möchte man meinen, dass Trennkost das A und O für eine absolut gesunde Ernährung und somit ausnahmslos vorteilhaft ist. Dem ist jedoch leider nicht so, denn richtet man sich bei der Trennkost strikt nach den Hay’schen Vorgaben, kann durchaus ein Mangel an Eisen, Kalzium, hochwertigem und für den menschlichen Organismus wichtigen Eiweiß entstehen. Zudem können auch Mangelerscheinungen hinsichtlich der Vitamin-B Gruppen auftreten. Ein weiterer Kritikpunkt besteht in der Bemängelung der reduzierten Aufnahme von Getreideprodukten. Außerdem führt die zeitliche Trennung der Nahrungsaufnahme von Kohlenhydraten und Eiweiß in Form von Ersatzkohlenhydraten zu einem Missbrauch bei der Verwendung von Eiweiß, was die Freisetzung von Vorprodukten zur Harnsäure verursachen kann, und Harnsäure wiederum ist die Hauptursache der Gichterkrankung.
Zudem erfolgt bei einigen Nahrungsmitteln eine falsche beziehungsweise unlogische Gruppenzuordnung, denn in Kartoffeln sind sowohl Eiweiß als auch Kohlenhydrate enthalten, und so enthalten Quark und Käse immer - in Unabhängigkeit vom Fettgehalt - Eiweiß.
Zwar ist zutreffend, dass bereits im Mund die Kohlenhydratverdauung beginnt und dem gegenüber erst im Magen der Prozess zur Eiweißverdauung einsetzt, jedoch werden vorwiegend im Dünndarm beide Nährstoffe gleichzeitig verdaut, wofür der Körper vorhandene Enzyme freisetzt.
Ernährungsbedingt kann kurzfristig auch der pH-Wert absinken, hierbei kann allerdings sehr schnell wieder ein Ausgleich geschaffen werden. Eine Azidose, also eine Übersäuerung, kann nur bei Stoffwechselstörungen, Hochleistungssportlern, bei einer eingeschränkten Nierenfunktion und beim Fasten entstehen.
Die Mehrzahl der Ernährungswissenschaftler vertritt den Standpunkt, dass eine Trennkost zur Gewichtsabnahme ungeeignet ist, da nicht die Kombination der Ernährung, sondern lediglich die Gesamtzahl der aufgenommenen Kalorien maßgebend ist. Der Schweizer Forscher Golay konnte in einer durchgeführten Studie keinen Beleg dafür finden, dass die Trennkost, bei einem gleichen Energiegehalt, Vorteile gegenüber einer anderen Mischkost aufweist.
Von der Trennkost nach Hay rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) strikt ab, da sie die von Hay aufgestellten Theorien für wissenschaftlich keineswegs haltbar definiert. Zudem verweist die DGE darauf, dass sowohl Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate in einer Vielzahl von Lebensmitteln gleichermaßen enthalten sind, begrüßt jedoch die Empfehlung einer Reduktion des Fleischkonsums. Laut DGE kann zudem ein Vitaminmangel auftreten, da auch bei Einhaltung die Nährstoffversorgung nicht gesichert sei und zudem seien keine gesundheitlichen Vorteile bei einer basenüberschüssigen Kost zu erkennen. Bei gesunden Menschen sei, laut DGE, bei üblicher Mischkost keine Übersäuerung zu befürchten, da der menschliche Organismus über Puffersysteme verfüge, welche den Säure-Basen-Spiegel auf konstanter Höhe halten.
Die DGE kommt zu dem Fazit, dass die Grundlagen der Trennkost jeder wissenschaftlichen Basis entbehren, da nach den Lehren von Hay eine vollwertige Ernährung auf Dauer nur mit Einschränkungen möglich ist, da die Auswahl der Lebensmittel nicht ausgewogen sei.
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