Wie entstand Naturmedizin ?

Als Naturmedizin werden hochwirksame Heilmittel auf pflanzlicher Basis bezeichnet. Bereits im frühen Altertum kannten die Menschen die heilende Kraft von Kräutern. Funde aus der Steinzeit beweisen, dass schon zu dieser Zeit Pflanzen als Heilkräuter verwendet worden sind. Hinweise auf naturmedizinische Kenntnisse finden sich auf altbabylonischen Schrifttafeln und ägyptischem Papyrus. Viele Hinweise auf die Verwendung von Pflanzen und Kräutern zu heilmedizinischen Zwecken stammen aus Mesopotamien, aus dem arabischen Raum, dem römischen Reich und aus Südasien. Die Kenntnisse über die Heilpflanzen wurden von Generation zu Generation weitergegeben, wobei die Überlieferung dieses Wissens meist mündlich erfolgte.

Doch es gibt auch zahlreiche Schriften und Kräuterbücher aus der Antike und dem Mittelalter, die nicht nur eine genaue Beschreibung der Pflanzen geben, sondern auch medizinische Anwendungsmöglichkeit zur Bekämpfung verschiedenster Krankheiten enthielten.

Nachfolgend sind einige Beispiele von herausragenden Leistungen aus dem Bereich der Naturmedizin aufgeführt.
Avicenna, ein persischer Gelehrter, war um 1000 n.Chr. als Arzt im islamischen Osten tätig. Sein Verdienst ist das fünfbändige Werk “Canon medicinae”, das im darauf folgenden Jahrhundert ins Lateinische übersetzt wurde und bis in das 16. Jahrhundert als Grundlage für den Unterricht medizinischer Gelehrter an europäischen Universitäten darstellte. Sein Werk enthält eine umfangreiche Beschreibung von Pflanzen, Pflanzenarten und ihre medizinische Verwendbarkeit.

Als erstes europäisches Arzneibuch gilt das an der Medizinschule von Salerno (Italien) entstandene Arzneibuch “Circa Instans”. Es beschreibt systematisch die Pflanzen und Pflanzenteile sowie medizinische Anwendungsmöglichkeiten.
Albertus Magnus, ein bedeutender Gelehrter des Mittelalters, schrieb im Jahr 1260 sein Werk “De vegetabilis”, worin er botanisches Wissen aus der Antike mit seinem eigenem Wissen als Naturwissenschaftler verband.
Der deutsche Chirug Hieronymus lebte im 15. Jahrhundert und veröffentlichte sein “Kleines Destillierbuch”, in welchem er die medizinische Wirkungsweise von destillierten Auszügen aus Heilpflanzen beschrieb.
Im frühen Mittelalter waren Mönche und Nonnen Vorreiter im medizinischen Anwendungsbereich der Pflanzen. Das älteste Werk aus der Klostermedizin des deutschsprachigen Raumes ist das Lorscher Arzneibuch aus dem 8. Jahrhundert.

Hildegard von Bingen, die Äbtissin vom Rupertsberg, lebte vor 900 Jahren, doch ihre Werke haben bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. 2 Werke werden der Äbtissin zugeschrieben: “Physica” und “Causae et Curae”. In den Büchern werden die Kräuter beschrieben, aber auch die physischen Eigenheiten von Männern und Frauen sowie die Entstehung von Krankheiten.

Mit der Entdeckung Amerikas begann eine neue Etappe der Klostermedizin. Die Mönche übernahmen nun auch auf dem neu entdeckten Kontinent die Versorgung der Kranken und setzten das Wissen, das sie aus Europa mitbrachten, bei der Heilung der Ureinwohner von Mittel- und Südamerika ein. Sie nutzten auch das Wissen der Ureinwohner, das diese von ihren heimischen Heilpflanzen besaßen. Die neuen Pflanzen und das Wissen um deren Anwendung wurde in die alte Heimat gesandt und bereicherte die europäische Pflanzenmedizin. Beispiele hierfür sind zum Beispiel die Kapuzinerkresse und die Passionsblume.

Die Klöster unterhielten sogar ganze Kräutergärten und Apotheken, die ihnen als einträgliche Einnahmequellen dienten. Die Pflanzendestillate und Medikamente auf pflanzlicher Basis wurden in größeren Mengen hergestellt. Ein bekanntes Produkt aus dieser Zeit ist der von den Kapuzinermönchen aus Regensburg hergestellte Melissengeist, der im 18. Jahrhundert in ganz Deutschland bekannt war. Nach dem Mittelalter wurden zunehmend Ärzte an den neu entstandenen Universitäten ausgebildet, die sich nun zunehmend um die Versorgung der Kranken kümmerten.

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